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Eine Testfahrt unter Strom

Eine Testfahrt unter Strom

Das Alter sei nicht entscheidend, wird oft gesagt, sondern eher wie man sich fühlt. Über den BMW i3, der bei seinem Produktionsstart 2013 der Zeit weit voraus war, wurde noch vor gut einem Jahr vom Ableben getuschelt. Doch zeitgleich bescheinigt ihm BMW-Chef Zipse nachdrücklich eine sichere Zukunft. Und Werkssprecher Friedrich in Leipzig versichert unlängst in der Presse: „Der i3 wird noch bis in das Jahr 2024 weitergebaut“. Die Eichen in Ivenack hingegen sind vermutlich 1000 Jahre alt. Was bei vielen Parkbesuchern den Wunsch entstehen lässt, gleichfalls Alter und Stärke der Bäume zu erreichen. So starten meine Frau und ich zu einer Testfahrt mit dem BMW i3 zum 65 km entfernten Stavenhagen und zu den Ivenacker Eichen.

Inzwischen läuft der aktuelle i3 besser denn je, die Nachfrage steigt. Die Reichweite liegt jetzt – gemäß vorgeschrieben NEFZ-Messverfahrens – je nach Rad- bzw. Reifengröße und Fahrweise zwischen 278 und 307 Kilometer. Das aktuelle Modell bekam eine Schnellladefunktion bis 50 kW verpasst. Zudem wurde das Elektro-Tankstellen-Netz, etwa in Greifswald, aber auch deutschlandweit erweitert.  Wenngleich noch immer nicht ausreichend. Aber der Bund will den Einbau privater Ladesäulen, einer Wallbox beispielsweise, mit 900 Euro fördern. Mit dem serienmäßigen Kabel lädt der i3 seinen Akku an der normalen Steckdose mit 2,4 kW in 15 Stunden zu 80 Prozent auf. An der Wallbox dauert die Ladung mit 11 kW nur 3,2 Stunden.

Das brandaktuelle Modell in rot-schwarz glänzendem Lack an der Ladestation vor dem Autohaus Leschitzki zieht häufig neugierige Autofahrer an. Am aufgefrischten Outfit, das noch mit Sportfahrwerk, breiterer Spur und 20-Zoll-Leichtmetallrädern herausgeputzt werden kann, fallen die adaptiv leuchtenden LED-Scheinwerfer mit Matrix-Fernlicht ins Auge, sowie die innovativ verfeinerte Ausstattung. Indes, nicht zu sehen, aber enorm wichtig, der leistungsgesteigerte Lithium-Ionen-Akku im Fahrzeugboden. Ein verlockendes Angebot für Kunden des Autohauses – und solche, die es werden wollen – mit dem Elektroauto auf Probefahrt zu gehen. Bequemer Einstieg in den Fond, weniger für Hinterbänkler. Das Gepäckabteil misst 205 Liter, nach Umlegen der hinteren Rückenlehnen erweiterbar. Am Volant großes Raumgefühl dank fehlender Mittelkonsole. Wie gewohnt griffiges Multifunktionslenkrad, das iDrive Business mit neuer Menüstruktur und Kacheln, eine schmale Konsole mit Tasten und Drehknopf für Radio und Klima. Kabellose Lademöglichkeit fürs Smartphon. Tasten und Knöpfe sind übersichtlich angeordnet, die Bedienung des i3 fällt im Prinzip nicht schwer. Nur der knuffige Automatikwählhebel, ein Bediensatellit neben dem Lenkrad ist gewöhnungsbedürftig. Ein kleines Display hinter dem Lenkrad beschränkt sich auf übliche Anzeigen wie Tempo, offene Türen, Km-Stand, Reifendruck und Temperatur, Stromverbrauch und Reichweitenanzeige; der Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts – mit dem von BMW bekannten iDrive-Knopf bedienbar – mit Infos des Bordcomputers und Navigationssystems, der Radiosender und Rückfahrkamera. Vorbildlich. Optisch alles vom Feinsten, funktionell und bequem erreichbar, mit der Ausstrahlung hoher Wertigkeit.

Erster Blick auf die Reichweitenanzeige: 307 km. Das dürfte für die Testfahrt ausreichen. Mehrere Versuche, unser Fahrziel Ivenack auf dem Navi einzugeben, misslingen. Aha, wenigstens Demmin Zentrum funktioniert. Hätte ich mich bloß einweisen lassen. So, den Start-Stopp-Knopf angetippt, Vorwärtsgang eingelegt, Tritt aufs Gaspedal und – oh Mann, der Wagen jagt los wie Schmidts’ Katze. Also Fuß vom Gaspedal und – abrupt steht der Wagen. Ja, da ist Feinfühligkeit angesagt. In der Stadt heißt’s ständig die Tachoanzeige im Blick zu haben. Das setzt mögliche Blitzerrechnungen aus. Auf der Umgehungsstraße entfaltet der Elektromotor seine volle Dynamik – nach geschätzten 40 Metern liegen Hundert an. Die atemberaubende Beschleunigung zeigt, was „BMW EfficientDynamics Technologie“ heißt: Sportliche Fahrleistungen. Das Lenkverhalten ist spontan wie alles an diesem Wagen. Das Fahrwerk des i3 ist straff, aber nicht zu hart abgestimmt. Der Wagen liegt wie ein Brett auf der Straße. Ein unvergleichbares und nahezu lautloses Fahrerlebnis, unterbrochen von der sympathischen Navigationsstimme. Es pfeift zwar ein steifer West übers Küstenland, indes im BMW i3 sind lediglich Abroll-, aber keinerlei Windgeräusche hörbar. Knappe 100 km/h liegen an. Weiterer Druck aufs Pedal. Die Reichweite verringert sich spontan. Erschreckend. Das hieße praktisch, würden wir jetzt beispielsweise zum 146 km entfernten Fürstenberg/Havel fahren, müsste ich dort für die Rückfahrt eine Steckdose suchen. Probehalber Klimaanlage, Sitzheizung und Radio ausgeschaltet, den Taster neben dem Fahrersitz auf „ECO PRO+“ geschaltet. Sofort gehen die Energiereserven wieder hoch, aber das Maximaltempo automatisch auf 90 km/h. Das Ziel, die angesagt tausendjährigen Eichen sind schnell erreicht. Beide Parkplätze nahezu besetzt. Erwische Parklücke am Rand.

Die restliche Reichweite wird mit 215 Kilometern angezeigt. Das reicht dicke für eine entspannte, klimatisierte Rückfahrt mit Radiomusik zum Autohaus Leschitzki. Eigentlich schade, denn die Tour könnte weiter und weiter gehen…

Die letzte Frage, was kostet der Spaß. Die Leichtbauweise des BMW i3 mit reichlich eingesetztem Karbon, der Verarbeitungsqualität hochwertiger Materialien sowie ein nicht gerade billiger Akku ergeben unterm Strich natürlich hohe Herstellungskosten. Macht einen Grundpreis von 39.000 Euro. Ein Schnäppchenauto? Hm. Der BMW i3 läuft besser denn je und die Nachfrage steigt, heißt es. Nicht zuletzt dank der aktuellen 9000 Euro Umweltprämie. Die Basisversion ist mit 125 kW/170 PS buchstäblich ein Renner. Indes, wer braucht noch die etwas leistungsstärkere Variante i3s mit 135 kW/184 PS und 160 km/h Spitze? Ist doch für die meisten i3-Fahrer egal, ob das Elektroauto in 7,3 oder 6,9 Sekunden auf Tempo 100 losjagt und 160 statt 150 km/h Spitze erreicht.

Fazit: Vom Anschaffungspreis mal abgesehen, dürfte der BMW i3 doch auf Dauer seine finanziell sparsame, urbane, umweltfreundliche Mobilität in der Stadt und bei komfortablen, mehr oder weniger weitreichenden Überlandfahrten ausspielen.  M.Z.